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INFORMATIK IN DER GRUNDSCHULE

Kinder wachsen in einer Welt auf, die von Informatiksystemen und -phänomenen durchdrungen ist: Tablets im Kinderzimmer, Sprachassistenten im Haushalt, trainierte Algorithmen zum Teil in Form von KI, die Suchergebnisse und Empfehlungen steuern, automatisierte Ampeln und Staubsaugerroboter als Alltagshelfer. Die Allgegenwart von Informatiksystemen stellt Menschen vor anwendungsbezogene, technologische und gesellschaftlich-kulturelle Herausforderungen. Sie verändert, welche Kompetenzen Kinder benötigen, um ihre Lebenswelt zu verstehen, kritisch zu reflektieren und mitzugestalten. Informatische Bildung ist vor diesem Hintergrund kein Zusatzangebot, sondern eine Voraussetzung für eine aktive Teilhabe an der durch Digitalisierung geprägten Gesellschaft.

Auch auf bildungspolitischer Ebene wird dieser Anspruch zunehmend anerkannt. Bereits im Jahr 2016 definiert die Kultusministerkonferenz (KMK) in ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ (KMK, 2016) informatikintegrierende Kompetenzbereiche – darunter „Problemlösen und Handeln“ mit der Teilkompetenz „Algorithmen erkennen und formulieren“. Die Rahmenbedingungen zur Förderung dieser, werden in dem ergänzenden Strategiepapier ausdifferenziert (KMK, 2021). Im Jahr 2022 empfiehlt die Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK (SWK) in ihrem Gutachten „Digitalisierung im Bildungssystem“ (SWK, 2022a), an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I ein verpflichtendes Fach Informatik einzuführen sowie informatische Kompetenzen in den Sachunterricht an Grundschulen zu integrieren:

„Verpflichtende Informatikinhalte im Sachunterricht der Grundschulen: Die SWK empfiehlt, nicht nur den Aufbau von Medienkompetenzen, sondern auch den Aufbau informatischer Kompetenzen systematisch bereits in der Grundschule zu beginnen.“ (SWK, 2022a, S.63)

 

Damit einher geht die Empfehlung der Verankerung informatischer Grundlagen in allen Lehramtsstudiengängen. Die SWK unterstreicht, dass informatische Bildung als Aufgabe schulischer Bildung zu verstehen ist und betont die curriculare Verankerung informatischer Inhalte als bildungspolitische Notwendigkeit.

Das im November 2024 verabschiedete Eckpunktepapier der KMK „Zur Verankerung von Medienbildung und informatischer Bildung in der Grundschule“ bekräftigt und schärft die Bedeutung mit Blick auf die Primarstufe. Informatische Kompetenzen sollen spätestens ab der Grundschule gefördert werden (KMK, 2024).

Auf internationaler Ebene zeigt der CECE-Report (2017), dass zahlreiche europäische Länder – darunter England, Estland und Slowenien – Informatik bereits als eigenständiges Schulfach in der Primarstufe verankert haben, während die KMK in Deutschland die Integration informatischer Kompetenzen in andere Fächer vorschlägt (KMK, 2024). Dieses Vorgehen trage der Struktur deutscher Grundschulen Rechnung, in der die Fächeranzahl strukturell begrenzt ist und geistes- sowie naturwissenschaftliche Fragestellungen traditionell im Sachunterricht gebündelt werden (GI, 2019; KMK, 2024).

Den nationalen Referenzrahmen für informatische Bildung im Grundschulbereich bilden die „Empfehlungen für informatische Bildung im Primarbereich“ der Gesellschaft für Informatik (GI, 2019). Diese Empfehlungen orientieren sich an den Bildungsstandards für die Sekundarstufen und ermöglichen damit eine lückenlose Förderung informatischer Kompetenzen über alle Schulstufen. Gleichzeitig betonen die Autor*innen, dass informatische Bildung in der Grundschule nicht gleichbedeutend mit der Einführung eines eigenständigen Schulfachs Informatik sein muss: Sie kann in bestehende Fächer und Querschnittsthemen (z. B. „Medien“) integriert werden (GI, 2019). Den Bildungsauftrag der Grundschule, Kinder zur eigenständigen Lebensführung und zur Teilhabe an Gesellschaft zu befähigen (KMK, 2015), interpretieren die GI-Empfehlungen als Auftrag, auch informatische Selbstwirksamkeit der Lernenden zu stärken: Kinder sollen dazu befähigt werden, Informatiksysteme nicht nur nutzen, sondern auch verstehen, bewerten und gestalten zu können.